The Fall of Autumn Leaves

Die Menschen in gemäßigten und subpolaren Regionen sind vertraut mit dem Wechsel der vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wenn der Herbst ins Land gezogen ist, verfärben sich die grünen Blätter der Bäume allmählich tiefbraun, später gelb und schließlich, gegen Herbstende, beginnen die Blätter zu fallen.

Herbstblätter

Als wir von einem Exerzitienhaus in Deutschland zu einem anderen nach Südtirol (Italien) und weiter nach Axams in Österreich unterwegs waren, zog die wunderschöne Kulisse der Bäume in den Bergen meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Blätter der Bäume hatten verschiedene Farben – tiefrot, braun, goldgelb. Ich war erstaunt über die Schönheit des Schöpfers, der Seine Schönheit mit Seiner Schöpfung teilt. Manche der Bäume, deren Laub gelb wurde, begannen schon ihre Blätter zu verlieren, und so am Boden ein Bett aus einem goldgelben Teppich zu machen.  Das bewog mich dazu, über eine bestimmte Gegebenheit unseres Lebens zu reflektieren. Ich hatte das Gefühl, als würden die Bäume sagen: „Wir haben unsere Aufgabe erfüllt; wir haben unseren Auftrag, zu dem uns der Herr erschaffen hat, erledigt. Wir haben die Blätter, und die Früchte zum Nutzen der Menschen hervorgebracht. Obwohl wir unsere Blätter verloren haben, welche „fielen und starben“ (Joh 12,24)   – heute die Blätter, morgen du? – halten wir unseren Blick fest auf den Himmel gerichtet und verherrlichen unseren Schöpfer, während wir den Augen der Menschen Freude bereiten…

Arbeiten wir mit unserem Schöpfer Gott zusammen und erfüllen wir den Auftrag, für den Er uns geschaffen hat? Wir sind dazu geschaffen, Ihn zu kennen, Ihn zu lieben (Ihn in Anderen zu sehen und auch diese zu lieben), für Seine Ehre zu leben, und für alle Ewigkeit zu Ihm zu gelangen. „Lasst uns streben nach der Erkenntnis des Herrn“, sagt der Prophet Hosea (Hos 6,3).  Nur, wenn wir eine Person kennen, können wir sie auch lieben. Gott enthüllt sich selbst durch die Bibel, indem  Er Seinen Namen enthüllt. „ Ich bin der Ich-bin-da.”  (Ex 3,14). In dem Maß, wie wir Ihn kennen, in diesem Maß vertieft sich auch unsere Liebe zum Herrn. Weil Er die menschgewordene Liebe ist, ist Er geduldig, freundlich, großzügig, heilig und nur gut. Weil wir als Sein Abbild geschaffen sind, wurden uns alle diese Eigenschaften Gottes gegeben, welche wir unser Leben lang weiterentwickeln und ausdrücken/bedenken sollten, und so den Zweck unserer Schöpfung erfüllen.

In dieser säkularen Welt, in der wir leben, sorgt alles dafür, dass wir so leben, als ob es keinen Gott gäbe, keine Seele, kein jenseitiges Leben, keinen Himmel, keine Hölle. Es scheint, dass alles, was wir haben, dieses Leben ist und wir es aus diesem Grund im vollen Ausmaß auskosten müssen.

Ja, Gott hat das ganze Universum mit der ganzen ihm innewohnenden Schönheit geschaffen, damit wir uns daran erfreuen; aber nicht auf Kosten dessen, dass wir unseren Schöpfer vergessen und die Zielsetzung, zu der wir geschaffen sind, nicht erfüllen. Der Heilige Geist erinnert uns durch den Hl. Paulus, dass  „unsere Heimat im Himmel ist, und wir auch von dorther Jesus Christus, den Herrn, als Retter erwarten”(Phil 3.20). Wir sind Fremde in dieser Welt, wir leben als Pilger in dieser Pilgernden Kirche. Aber da sie auch eine Streitende Kirche ist, wo unser  ‚Widersacher‘ immer mit uns im Kampf liegt (vgl. 1 Pet 5,8), müssen wir gegen die Mächte der Finsternis und die Täuschung des Feindes kämpfen, der unseren Verstand der ewigen Wirklichkeit gegenüber blind macht.  Seine Absicht ist es „zu stehlen, zu vernichten und zu töten“ (Joh 10,10). Er will, das die Schöpfung Gottes ein vom Schöpfer unabhängiges Leben führt, so wie er selbst sich zu Anbeginn gegen den Schöpfer aufgelehnt hat (Jes 14,12-15; Ez 28,11-19; Offb 12,7-9).

Jede Sünde ist eine Rebellion gegen Gott, die zur Folge hat, dass das göttliche Leben in uns zerstört wird. Die Weisheit Gottes warnt uns: „Bei allem, was du tust, denk an das Ende, so wirst du niemals sündigen” (Sirach 7,36). Die Mutter des Hl. Louis IX, des Königs von Frankreich, sagte zu ihrem Sohn: ‚Ich möchte dich lieber tot sehen als zu sehen, dass du eine Todsünde begehst.‘ Sie wusste sehr gut, dass  „nichts Unreines in das Reich Gottes hineinkommen wird” (Offb 21,27). Wenn wir nicht die Erfahrung des Reiches Gottes in Diesseits und im Jenseits haben, verfehlen wir die Zielsetzung unserer Schöpfung.

Kommen wir nun zurück zum Fallen des Herbstlaubs. Können wir unsere Augen des Glaubens öffnen, um die Wirklichkeit zu sehen, dass wir eines Tages den Platz, an dem wir gelebt haben, verlassen müssen, ebenso den Besitz, für den wir eventuell mit anderen gestritten haben, die Menschen, mit denen wir unser Leben genossen haben, das Ansehen, die Stellung, die wir vielleicht sogar auf unrechte Weise erworben haben, unseren guten Namen, den wir auf keinen Fall beschmutzt sehen wollen …?? Wie die Bäume ihr schönes gelbes Laub verlieren, so müssen auch wir unser irdisches Zelt verlassen. „Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel (2 Kor 5,1).

Mary Pereira